q/depesche | 15 Jun 22:01 2005

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q/depesche 2005-06-15T21:46:26

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Der heutige erste Tag der ChaosControl'05 - eigentlich nur ein Abend -
skizzierte den viel umfangreicheren zweiten Tag (Do, 16.Juni) vor:
Diskussionspanels zu den Tehmen Softwarepatente, Creative Commons,
Digitales Wissen und Informationsfreiheit sollen ein Gleichgewicht in den
Interessen von Urhebern, Verwertern, dem Fortschritt/Wissenschaft und der
Öffentlichkeit ausloten.

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Übergeordnetes Motto sind die, im Vorfeld erarbeiteten, 10 Thesen zur
Informationsfreiheit - die s.g. "Wiener Erklärung".
Diese, so einer der Veranstalter sinngemäß, solle die Rationalisierung,
Verwissenschaftlichung und Verrechtlichung der Debate über Generierung,
Allokation und Distirbution von Information und Wissen erreichen.
Beschränkungen dürfen nicht durch technische Maßnahmen marktbeherrschender
Teilnehmer, straken Lobbygruppen oder dem Zufall überlassen werden. Das
Recht solle faire und klare Bedingungen schaffen.

Die Erklärung kann online unterzeichnet werden - was bisher über 700
Personen und Institutionen wahrgenommen haben.

Donnerstag, 16.Juni 2005  9:00 - 18:00
Dachgeschoss des Juridicum Wien
Freier Eintritt

http://www.chaoscontrol.at/

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Wiener Erklärung: 10 Thesen zur Informationsfreiheit
http://www.chaoscontrol.at/we.htm

1. Digitalisierung und Vernetzung erlauben im Hinblick auf den Zugang zu
Informationen Erleichterungen, die historisch einzigartig sind. Alles wird
potentiell zugänglich, kopierbar, veränderbar. Damit wird eine
Informationsverarbeitung in bisher unbekannter Weise möglich und ein großer
Fortschritt in der Zugänglichkeit von Wissen realisierbar.

2. Die Chancen, die mit dieser Entwicklung einhergehen, stehen nur jenen
offen, die die notwendigen Kulturtechniken besitzen und beherrschen. Die
Garantie eines Zugangs zur erforderlichen technischen Infrastruktur und
Ausbildung muss daher Ziel jeder Bildungspolitik sein.

3. Bei der Verbreitung von Informationen sind die Interessen von
UrheberInnen, VerwerterInnen sowie der Allgemeinheit durch die
Rechtsordnung in ein gerechtes und ökonomisch sinnvolles Gleichgewicht zu
bringen. Die Rechtsordnung ist hierzu das Instrument der Wahl. Das Recht
hat Vorrang zu genießen vor technisch bedingten Tatsachen, die von
beherrschenden Marktteilnehmern geschaffen werden.

4. Freie Werknutzungen beschränken die Verwertungsrechte der UrheberInnen
auch ohne deren Zustimmung im Interesse der Allgemeinheit. Sie haben sich
als Instrument des Interessenausgleichs bewährt und sind vor ihrer
Schwächung und Beseitigung durch technische Maßnahmen und deren rechtlichen
Schutz zu bewahren.

5. Freie Werknutzungen sind eine elementare Bedingung gesellschaftlichen
und wissenschaftlichen Fortschritts. Die freie Verfügbarkeit von
Informationen zu Zwecken der Forschung, Lehre und Bildung ist daher in
größtmöglichem Ausmaß zu garantieren. Das Urheberrecht ist diesbezüglich
reformbedürftig.

6. Das Urheberrecht steht überwiegend in einer historischen Tradition
geistiger Strömungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Es ist
rechtswissenschaftlich, sozialwissenschaftlich und rechtspolitisch darauf
zu überprüfen, ob das Urheberrecht das Gleichgewicht zwischen UrheberInnen,
VerwerterInnen sowie der Allgemeinheit weiterhin in gebotener Weise
garantiert.

7. UrheberInnen haben heute die Gelegenheit, ihre Werke über digitale Netze
einfach zugänglich zu machen. Über die urheberrechtlichen Grundlagen dieses
Zugänglichmachens sind UrheberInnen unter besonderer Berücksichtigung von
der Informationsfreiheit förderlichen Regelsystemen wie
Open-Content-Lizenzen oder Open-Access-Initiativen neutral zu informieren.
Das ist Aufgabe von Wissenschaft und Politik. Es ist Aufgabe der
UrheberInnen, diese Möglichkeiten zu nutzen.

8. ForscherInnen sind als Vorbilder im Umgang mit freiem Wissen gefordert.
Wissenschaftsinstitutionen sollen ihren ForscherInnen empfehlen,
insbesondere staatlich finanzierte Forschungsergebnisse leicht und
unentgeltlich zugänglich zu machen. Zugleich ist es Aufgabe des Staates,
die eventuell daraus entstehenden Nachteile zu kompensieren.

9. Der Staat hat Vorbildcharakter im Umgang mit Informationen. Er hat daher
den Zugang zu öffentlichen Informationen technisch und rechtlich
bestmöglich zu erleichtern. Die Schaffung eines durchsetzbaren Rechts der
BürgerInnen auf Zugang zu staatlichen Informationen auf der Basis eines
österreichischen bzw. EU-weiten Informationsfreiheitsgesetzes nach
internationalem Vorbild sowie die wirksame Kontrolle der Gebarung der
staatlichen elektronischen Register und Daten, ist zu thematisieren.

10. Digitalisierung und Vernetzung bringen neue Fragen der
Informationssicherheit und der Bewahrung von Information mit sich. Es ist
staatliche Aufgabe zu verhindern, dass der fehlende technische Zugang zu
Informationen zu einem Verlust von Wissen führt. Für die Bewältigung dieser
Aufgabe ist neben der Förderung des Problembewusstseins mittels gezielter
Bildungsmaßnahmen, auch die Überarbeitung der aktuellen rechtlichen
Rahmenbedingungen sowie die Bereitstellung der nötigen finanziellen Mittel
erforderlich.

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 relayed by Mac Gyver

Gmane