degkwitz | 19 Feb 15:20
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Re: Offener Brief zur Gemeinsamen Stellungnahme von Boersenverein und DBV


Sehr geehrte Unterzeichner,

mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen schaetze ich Ihre Kompetenz und die
Leistungen Ihrer Bibliotheken. Gerade deshalb waere eine naehere Praezisierung
Ihrer Kritik an der Vereinbarung zwischen Boersenverein und DBV außerordentlich
wichtig.

Denn soweit ich das erkennen kann, wuerde bei der Umsetzung der gemeinsamen
Vorschlaege die Position der Bibliotheken - gegenueber der jetzigen, von Ihnen
bei SUBITO ausgehandelten Position - deutlich verbessert, weil eine
Zwangslizenz an die Stelle nicht akzeptabler Einzelvertraege tritt.

Dass der Boersenverein einen derartigen Regelungsvorschlag unterstuetzt und
durch formale Regelungen wie Meldepflicht bei SUBITO die Umsetzung erleichtert,
scheint mir doch recht bemerkenswert zu sein. Warum sind Sie so vehement gegen
derartige Regelungen, mit denen sich die Position aller Bibliotheken im Lande
deutlich verbessern liesse? 

Gerade vor diesem Hintergrund ist Ihre massive Kritik an der Verlegerseite kaum
verstaendlich, mit der Sie sich doch bei SUBITO offenbar zu schlechteren
Konditionen geeinigt haben.

Nicht zuletzt wegen Ihrer angekuendigten Absicht, ggfs. aus dem DBV auszutreten,
waere eine klare Aussage über Ihre wirklichen Kritikpunkte anstatt pauschaler
Verunglimpfungen für die  Kolleginnen und Kollegen im deutschen
Bibliothekswesen von groesstem Interesse.

Mit besten Gruessen

Dr. Andreas Degkwitz
Leiter des IKMZ der BTU Cottbus

P.S. INETBIB beziehe ich ueber meinen Potsdamer Account. Ihre Rueckmeldung
deshalb bitte an INETBIB oder an degkwitz@... oder
degkwitz@... - vielen Dank!

> 
> Offener Brief der BSB München, der UB Frankfurt, der ZBMed Köln, der 
> NSUB Göttingen, der ULB Halle sowie der TIB Hannover
> an die Vorsitzende des DBV, Frau Dr. Lux
> 
> 
> 
> 
> An die
> Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes
> Frau Dr. Claudia Lux
> Zentral- und Landesbibliothek Berlin
> Blücherplatz 1
> 10961 Berlin
> 
> Gemeinsame Stellungnahme des dbv und des Börsenvereins des Deutschen 
> Buchhandels zum 2. Korb der Novellierung des Urheberrechts:
> 
> 
> Sehr geehrte Frau Lux,
> Die Unterzeichner dieses offenen Briefes haben mit Bestürzung zur 
> Kenntnis nehmen müssen, dass sich „unser“ Verband mit dem Börsenverein 
> auf ein gemeinsames Positionspapier verständigt hat, welches den 
> Interessen von Wissenschaft, Forschung und ihren Dienstleistern, den 
> wissenschaftlichen Bibliotheken großen Schaden zufügt. In diesem Papier 
> bekennt sich der dbv im Ergebnis dazu, alle Formen der bisher bewährten 
> und hochgeschätzten Dokumentlieferung den wirtschaftlichen Interessen 
> einiger Verleger zu unterwerfen. Offensichtlich ist es so, dass dem 
> Ziel, eine Politik des guten Miteinanders zwischen Verlegern und 
> Bibliotheken zu demonstrieren, fundamentale Interessen der 
> wissenschaftlichen Bibliotheken und ihrer Nutzer geopfert wurden. Gerade 
> die Bibliotheken stellen nun einmal in ihrem Handeln und ihren 
> Dienstleistungen das einzig relevante Gegengewicht zu der kleinen, aber 
> mächtigen Gruppe großer, profitorientierter Verlage dar, indem sie sich 
> ausschließlich an den Interessen von Lehre und Forschung, von 
> Wissenschaft und Bildung ausrichten.
> Mit dem jetzt vorgelegten gemeinsamen Papier werden diese Positionen in 
> unnötiger Weise aufgegeben. Gerade auch die in subito 
> zusammengeschlossenen Lieferbibliotheken, die zudem allesamt Mitglied 
> des dbv sind, haben inzwischen leidvoll erfahren können, was es 
> bedeutet, sich mit Verlagen auf vertragliche Vereinbarungen einzulassen. 
> Jede getroffene Übereinkunft wird sofort wieder in Frage gestellt, 
> permanent werden neue Forderungen nachgeschoben und anstelle eines 
> „fairen Miteinanders“ steht im Vordergrund die Instrumentalisierung der 
> Bibliotheken für ausschließlich kommerzielle Interessen der Verlagswelt. 
> Es kommt hinzu, dass die Umsetzung der erzielten Übereinkünfte für die 
> Länder als Träger der allermeisten Hochschul-bibliotheken erhebliche 
> Mehrkosten bringen würde.
> 
> Wir möchten auch nicht verhehlen, dass sich die großen Forschungs- und 
> Forschungsförder-institutionen unseres Landes über das Schreiben des dbv 
> erschrocken, ja teilweise entsetzt gezeigt haben und in eigenständigen 
> Reaktionen ihr Unverständnis über die Haltung unseres Verbandes 
> kommunizieren werden.
> Wir, die Unterzeichner, erwarten von Ihnen zumindest, dass sie gegenüber 
> dem Adressaten der gemeinsam mit dem Börsenverein erarbeiteten 
> Stellungnahme kurzfristig kundtun, dass die Positionen des dbv von einem 
> nicht unwesentlichen Teil seiner Mitglieder in dieser Form keinesfalls 
> mitgetragen werden.
> Wir würden es im Interesse aller Bibliotheken sehr bedauern, wenn wir 
> uns veranlasst sehen müssten, hinsichtlich unseres weiteren Verbleibens 
> im dbv Konsequenzen zu ziehen.
> Mit vorzüglicher Hochachtung
> Gez.
> Dr. Rolf Griebel, Bayerische Staatsbibliothek München
> Berndt Dugall, Universitätsbibliothek Frankfurt am Main
> Ulrich Korwitz, Deutsche Zentralbibliothek der Medizin, Köln
> Dr. Norbert Lossau, Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
> Dr. Heiner Schnelling, Universitäts- und Landesbibliothek Halle
> Uwe Rosemann, Technische Informationsbibliothek Hannover
> 
> -- 
> Lindsey Fairhurst
> Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg 
> - Direktion -
> - IntFort- interne Fortbildung -
> Bockenheimer Landstrasse   134-138
> D-60325 Frankfurt am Main 
> Tel: ++ 49 (69) 798 39 231
> Fax: ++49 (69) 798 39  062
> Mail: l.fairhurst@...
>         direktion@...
>         UB-IntFort@...
> 
> 
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